Lymphologie
Lymphologie hat eine alte Tradition im Kreiskrankenhaus Emmendingen. Begründet wurde diese Spezialisierung durch den ersten Chefarzt der Abteilung für Radiologie und Nuklearmedizin Prof. Dr. H. Weissleder, einem Pionier der Lymphologie. Die Technik der Funktionslymphszintigraphie ist in wichtigen Teilen im Kreiskrankenhaus Emmendingen entwickelt worden, erst in den letzten Monaten konnten wir wieder eine weitere Verbesserung der Methode erarbeiten. Im internationalen Vergleich verfügen wir über die höchsten Qualitätsstandards.
- Deutschlandweit werden bei uns die meisten Untersuchungen durchgeführt, Patienten kommen aus der gesamten Bundesrepublik.
Behandlung des Brustkrebses
Bei der operativen Behandlung des Brustkrebses ist es in den meisten Fällen erforderlich, Lymphknoten in der Axelhöhle zu entfernen. Das führte in der Vergangenheit bei annähernd der Hälfte der Patientinnen zu teilweise ausgeprägten Lymphödemen des entsprechenden Armes. Eine erhebliche Verbesserung der Situation wurde in den letzten Jahren durch die Einführung der Technik der Entfernung von „Wächterlymphknoten“ erreicht. Bei der hierfür nötigen Markierung der Wächterlymphknoten ist unsere Markierungsquote unübertroffen. Wir erreichen diese Ergebnisse durch Ausnützen der elektronenmikroskopischen Erkenntnisse über die Mikroarchitektur des Gewebes in der Umgebung der initialen Lymphgefäße bei der Injektion des Markierungsstoffes und mittels gezielter Beeinflussung Transportes der Markierungssubstanz in den Lymphgefäßen durch Einsatz der manuellen Lymphdrainage.
Das Lymphsystem
Das Lymphsystem besteht aus Lymphgefäßen, Lymphknoten sowie lymphatischen Geweben wie z.B. den Rachenmandeln, Milz und vielen anderen. Es hat vielfältige Aufgaben im Körper und ist maßgeblich an immunologischen Vorgängen beteiligt. Aus dem Blutkreislauf wird ständig eiweißhaltige Flüssigkeit in das Gewebe filtriert. Davon ausgenommen ist nur das Zentralnervensystem. Das Lymphgefäßsystem transportiert diese Flüssigkeit aus dem Gewebe ab. Lymphpflichtige Lasten sind Wasser, Eiweiß, außerdem Fett und Zellbestandteile, aber auch Bakterien und Viren. Die Lymphgefäße führen rhythmische Pumpbewegungen aus, zahlreiche Ventile verhindern den Rückfluss der Lymphe. Lymphknoten dienen als Filterstationen, in denen Krankheitserreger festgehalten und Abwehrvorgänge in Gang gesetzt werden können.
Das Lymphödem
Unter dem Begriff Ödem versteht man eine krankhafte Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe. Die meisten Ödemformen heilen folgenlos aus, wenn die Ursache beseitigt ist. Beim Lymphödem (mit Ausnahme des akuten Lymphödems) handelt es sich dagegen um eine eigenständige Erkrankung. Unbehandelt verstärkt sich das Lymphödem allmählich und kann dabei ausgeprägte Formen annehmen. Der Grund liegt in der erhöhten Eiweißkonzentration in der Gewebsflüssigkeit, die über biochemische Mechanismen zur Neubildung von Bindegewebe und Fettgewebe führt. Das Gewebe nimmt an Volumen zu und wird fester. Die Pumpfunktion der Lymphgefäße wird eingeschränkt.
Lymphödeme entstehen, wenn die Transportfunktion des Lymphgefäßsystems eingeschränkt ist. Das kann durch Fehlanlage bedingt sein, Schädigungen durch Unfälle, Operationen wie z.B. Lymphknotenentfernung, Entzündung und vieles anderes mehr.
Fortgeschrittene Lymphödeme lassen sich in der Regel einfach und zuverlässig mit klinischen Methoden (Krankengeschichte, Inspektion, Tastbefund und Volumenmessung) diagnostizieren. Für die Diagnostik von Frühformen benötigt man dagegen bildgebende Verfahren, besonders die Funktionslymphszintigraphie.
Die Behandlung der Lymphödeme erfolgt vorwiegend mit der „Kombinierten physikalischen Entstauungstherapie“ (KPE), im Wesentlichen einer Kombination von „Manueller Lymphdrainage“ und Kompression, zudem ggf. Gymnastik und Hautpflege. Die KPE ist in den meisten Fällen eine Dauertherapie.
